Garten im Herbst

Gerade in der dunklen Jahreshälfte, also vom Herbst bis in das Frühjahr hinein brauchen viele Tiere (Insekten, Amphibien, Kleinsäuger, Fledermäuse,…) ganz spezielle Lebensraumsituationen, damit sie den Winter überstehen. Wir alle können besonders im Garten auf einfache Weise ganz viel dazu beitragen.
„Aber wie? Was soll ich tun? Was soll ich lassen?
Tun … lassen … lassen … tun … tun lassen?
I kenn mi nimma aus!“
Da hilft nur, einmal tief durchatmen und bewusst hin-ein-schauen in die Natur, denn was zu tun oder zu lassen ist, das ist ganz einfach, nämlich: Lebensraum zurückgeben!
Das beginnt damit, dass wir den Mut aufbringen und uns eingestehen, dass nicht immer alles im Garten aufgeräumt werden muss. So können neben kurz gemähten Rasenflächen vorm Haus (wenn es sein soll) in jedem Garten kleinere oder auch größere Areale naturnah gepflegt werden.
Dazu gehört:
• Stauden mit hohlen oder auch markigen Stängeln stehen lassen (z.B. Wilde Möhre, Karde, Königskerze, Nachtkerze,…) So überwintern Insekten im Garten

• Laubhaufen liegen lassen. Diese bieten Unterschlupf für viele Insekten sowie für Asseln, Tausendfüßler, Spinnen und anderes Kleingetier und damit auch tierische Nahrung im Winter für Amsel, Rotkehlchen und Grünspecht. Auf spät abgeernteten Gemüsebeeten oder auch Hochbeeten sollte eine Laub-Mulchschicht aufgetragen werden Laubgeschichten


Auf Beeten im Gemüsegarten, welche schon im August oder September abgeerntet wer-den, ist es sehr vorteilhaft, wenn gleich nach der Ernte abfrostende Gründüngung ange-baut wird (z.B. Phacelia, Alexandrinerklee, …).

  • Reisighaufen z.B. mit Strauchschnitt etc. anlegen. Dabei kann auch eine sogenannte Benjesch-Hecke gestaltet werden
  • Totholz im Garten stehen und liegen lassen. Totholz ist lebendigster Lebensraum für viele Tiere und verlangt uns Menschen keine Pflege ab.
  • Vogelnistkästen entleeren und reinigen sowie Nestbaumaterial für das nächste Frühjahr liegen lassen.
  • Blumenzwiebeln von Frühblühern (am besten Wildformen) in naturnahen Bereichen in die Erde stecken.
  • Einige „Negativ-Jackpots“ im Garten sollte man unbedingt vermeiden, wie z.B.
      • Laubsauger – den übersteht kein einziges Insekt lebend
      • Rasenroboter und Mulcher/Schlegler auf Grünflächen, denn diese sind der Tod der Biodiversität
      • Pestizide im Garten und schon gar nicht chemische Mittel, um Pflaster, Steinfugen etc. „sauber“ zu halten – diese Substanzen fließen oberflächlich ab und landen im nächsten Bach
      • Streusalz im Winter

Solch naturnahe gestaltete Gärten und Kulturlandschaften haben nichts zu tun mit Schlamperei oder Bequemlichkeit von uns Menschen. Sie künden vielmehr von Weitblick, Mitgefühl, Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein. In diesen Gärten finden wir im Herbst das Phänomen des Absterbens und Zusammenbrechens einerseits und das junge, noch verborgene neue Leben andererseits räumlich und zeitlich ganz nahe beieinander. Es mag schon sein, dass Menschen den Anblick von einem nicht perfekt aufgeräumten Garten kaum ertragen können. Dabei müssen wir erkennen und annehmen, dass das Absterben in der Natur einen unumgänglichen Teil des ewigen Lebenskreislaufes darstellt. So tun wir alle gut daran, wenn wir diesen Rhythmus des Lebens als völlig selbstverständlich, natürlich und notwendig erfahren und bewusst miterleben.

Weitere Infos bei Insekten leben

Fotografiert von lebensraum:natur