Das Schleiereulenprojekt

Schleiereule

Das Schleiereulenprojekt

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Einleitend einiges zur Biologie und Lebensweise der Schleiereule:

Die Schleiereule (Tyto alba) ist eine zierliche Eule mit einer Flügelspannweite von bis zu 95 cm. Besondere Kennzeichen sind ihr herzförmiger Gesichtsschleier und ein graubraunes Rückengefieder mit tropfenförmiger Zeichnung. Ihre Nahrung besteht zu 95 % aus Mäusen, daher ist die Bestandsentwicklung sehr eng an das jeweilige Mäuseaufkommen gekoppelt. In starken Mäusejahren kann es 2 – 3 Bruten geben, wenn es wenig Mäuse gibt, ist es möglich, dass nicht einmal alle Brutpaare brüten. Daher kommt es zu sehr starken Bestandsschwankungen aufgrund des jeweiligen Nahrungsangebotes. In früheren Zeiten war die Schleiereule ein häufiger Brutvogel in unserer Gegend, doch seit Mitte des 20. Jahrhunderts ging der Bestand rapide zurück. Um 1990 galt sie in OÖ als ausgestorben.

Warum kam es dazu?

  • Es fehlt ihr an geeignetem Lebensraum.
  • Als ausschließliche Gebäudebrüterin brütete die Schleiereule früher in Scheunen, auf Dachböden und Kirchtürmen. All diese Gebäude sind heute weitestgehend verschlossen, d.h. sie findet keine geeigneten Brutplätze mehr.
  • Strukturwandel in der Kulturlandschaft – ausgeräumte Landschaft bietet keine guten Jagdgebiete.
  • Hohe Verluste durch Straßenverkehr, weil sie regelmäßig an Straßenrändern und -böschungen (Mäuseaufkommen) in tiefem Flug jagt.

Heute zählt der Bestand laut „Atlas der Brutvögel OÖ 2013-2018“ bereits wieder 20 bis 30 Brutpaare im Bundesland (österreichweit 30 bis 60 Brutpaare). Das Hauptverbreitungsgebiet ist das südwestliche Innviertel, hier leben 90 % der Schleiereulen von OÖ.

Was hat zu dieser Bestandsentwicklung beigetragen?

In den 1990er Jahren wurde ein ehrgeiziges Nistkastenprojekt in Bayern und dem angrenzenden Innviertel gestartet. Seither erholte sich das Vorkommen langsam. Es gibt auch im Bezirk Ried seltene Sichtungen von Schleiereulen bzw. Funde von Schleiereulen als Verkehrsopfer. Indem diese Eule ein recht heimliches Leben führt, kann man sie nicht immer so leicht direkt beobachten.
Aus dieser Situation heraus hat Dr. Max Wiesner-Zechmeister d.J. das Schleiereulen-Wiederansiedlungsprojekt initiiert und setzt es im Rahmen von „lebensraum:natur“ permanent um. Dabei geht es auch hier, wie fast überall, darum Lebensraum zurückgeben. Indem der am meisten limitierende Faktor das Fehlen von Brutplätzen ist, wurden im Rahmen dieses Projektes ca. 30 spezielle Schleiereulen-Brutkästen gebaut. Das Ausmaß eines Kastens beträgt 100 x 50 x 50 cm (siehe Skizze). Verteilt auf 6 Gemeinden in der näheren Umgebung werden diese Nistkästen von den Grund- und Gebäudebesitzern angebracht.

Was zeichnet einen geeigneten Brutplatz aus und worauf ist zu achten?

  • Man kann den Nistkasten sowohl an der Außen- als auch an der Innenseite eines Gebäudes anbringen. Wichtig dabei ist, dass dieser Kasten ein sicherer Schlupfwinkel mit freien An- und Abflugmöglichkeiten ist. Die Westseite als Hauptwetterseite sollte eher gemieden werden. Wenn der Kasten südseitig aufgestellt wird, sollte dies im Inneren des Gebäudes geschehen (wegen der zu starken Erwärmung der Bruthöhle). Die Anbringhöhe von mindestens 4 m vom Boden weg, ist notwendig (Mader, Katzen,…). Die An- und Abflugrichtung sollte sich nicht in der Nähe einer Straße befinden.
  • Die Schleiereule braucht weiters einen ruhigen, witterungsgeschützten und dunklen (nicht völlig finsteren) Tageseinstand. Diese Eule hält sich tagsüber in der Ruheposition nicht auf Bäumen, sondern vorwiegend in Gebäuden auf. Daher ist es sehr wertvoll, wenn es die Biosicherheit der landwirtschaftlichen Produktion zulässt, die Gebäude durch eine Einflugöffnung von mind. 15 x 20 cm zu öffnen. Wenn im Inneren des Gebäudes Getreide oder andere Kraftfuttermittel offen gelagert werden, dürfen aufgrund der geforderten Biosicherheit die Gebäude nicht geöffnet werden. Durch die Anbringung des Kastens innenseitig wird einer Kontamination allerdings vorgebeugt.
  • Jagdgebiete mit ausreichendem Nahrungsangebot sind offene und halboffene Bereiche der abwechslungsreichen Kulturlandschaft mit zum Teil auch niedrigem Bewuchs (ideal sind Streuwiesen, Weidegebiete von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden).

Auch muss der Kasten jährlich im Spätherbst begutachtet und gereinigt werden. Es ist leicht möglich, dass in die Nistkästen auch andere Bewohner, wie Waldkauz, Waldohreule oder der Turmfalke, einziehen. Laut Auskunft von „BirdLifeÖsterreich“ wird der Turmfalke zu gegebener Zeit wieder abziehen, weil ihm diese Bruthöhle zu finster ist beziehungsweise die Nachtaktivität der Schleiereule andere Vogelarten im Brutkasten vergrämt. Die Schleiereule braucht die Dunkelheit, deshalb ist auch im Kasten ein sogenanntes „Schattenbrett“ angebracht. Die Nisthöhlen werden mit laufenden Nummern versehen und das weitere Geschehen unter der Federführung von Dr. Max Wiesner-Zechmeister d.J. dokumentiert und begleitet.
Wir dürfen selbst bei allem Optimismus die Erwartungen auf schnelle Bruterfolge mit dieser Eule nicht zu hoch ansetzen. Besteht doch, was den aktuellen Bestand betrifft, eine sehr fragile Situation und die Schleiereule befindet sich nach wie vor auf der sogenannten Roten Liste und ist als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Daher ist es umso wichtiger, dass wir geeigneten (Ersatz)-Lebensraum zurückgeben und so mithelfen, den Bestand dieser besonderen und etwas geheimnisumwitterten heimischen Eule zu stabilisieren.

So sprechen wir an dieser Stelle allen Mitwirkenden an diesem Projekt ein großes Dankeschön aus, wie dem Naturschutzreferat des Landes OÖ für die finanzielle Unterstützung, sowie der Fa. Gittmaier (Ried) und Johannes Detzlhofer (Antiesenhofen) für ihre unterstützende Teilnahme. Dem eifrigen Bauteam und ganz besonders all jenen, welche durch das Anbringen der Nistkästen an ihren Gebäuden das Ganze ermöglichen, sei herzlichst gedankt. Dem Initiator und Hauptbetreuer dieses Schleiereulen-Wiederansiedlungsprojektes Dr. Max Wiesner-Zechmeister d.J. gebührt ein besonderer Dank.

Nun gilt es für uns alle, geduldig zu warten und das Geschehen aufmerksam zu beobachten!

Quellen:

BirdLifeÖsterreich (www.birdlife.at)

Nationalpark Donau-Auen (www.donau-auen.at)

NABU-Bundesverband (www.NABU.de)

Atlas der Brutvögel Oberösterreichs 2013-2018 (Ornithologische Arbeitsgemeinschaft der OÖ Landesmuseen)

 

 

Informationen

Informationen zum Schleiereulenprojekt

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